Geerbt. Gekauft. Geraubt? Alltagsdinge und ihre NS-Vergangenheit
Das Historische Museum Frankfurt zeigte die Ergebnisse seiner Provenienzforschung zur Gemälde- und Silbersammlung und zeichnete den unrechtmäßigen Erwerb von Objekten im Nationalsozialismus nach.
Das Historische Museum Frankfurt am Main zeigte vom 17. Mai bis zum 14. Oktober 2018 die Ergebnisse seiner Provenienzforschung zur Gemälde- und Silbersammlung. Die Ausstellung zeichnete anhand historischer Quellen den unrechtmäßigen Erwerb von Objekten durch Frankfurter Museen im Nationalsozialismus nach.
Forschen. Verstehen. Erzählen.
Ich erstellte ein Ausstellungsdrehbuch, wählte Objekte aus, übernahm die Bild- und Quellenrecherche, fragte Bildrechte an und entwickelte auf Basis meiner Recherchen allgemein verständliche Ausstellungstexte. Im Auftrag des Museums recherchierte ich außerdem sechs Frankfurter Familien, die im Nationalsozialismus entrechtet, enteignet und verfolgt wurden, weil sie Juden waren. In der Nachkriegszeit kämpften sie darum, Entschädigungen zu erhalten und ihr Eigentum restituiert zu bekommen. Hierzu recherchierte ich im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden, im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte und im Landesarchiv Berlin. Die Ergebnisse wurden in Form von biografischen Dossiers in der Ausstellung präsentiert.
Stadtlabor
Anlässlich der Ausstellung bot das Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt einen Workshop für Frankfurter Bürgerinnen und Bürger an. Die Teilnehmenden brachten Gegenstände mit, von denen unklar war, ob sie im Nationalsozialismus rechtmäßig oder unrechtmäßig erworben worden waren. In einem Fall ging es darum, die Geschichte eines Wohnhauses und seiner Bewohner zu recherchieren. Als Expertin unterstützte ich die Teilnehmenden bei der Archivrecherche und half ihnen bei der Transkription und Auswertung von Dokumenten aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Im Begleitheft zur Ausstellung berichtete ich gemeinsam mit Johannes Beermann über den Arbeitsprozess, den die Teilnehmenden des Stadtlaborprojekts durchliefen. Die Teilnehmenden stellten ihre mitgebrachten Gegenstände vor und erläuterten, was diese zu „schwierigen Dingen” macht. Auch Erwartungen und Ängste – vor allem mit Blick darauf, was die Recherche zu Tage fördern könnte – kamen zur Sprache. Der Arbeitsprozess und die Rechercheergebnisse der Teilnehmenden wurden in Form von Trickfilmen festgehalten.